Formspielereien

April 20th, 2016

Das Zeichnen von Cartoonfiguren ist letztlich auch nichts anderes als ein stetiger Entwicklungsprozess - ein Prozess stetiger Vereinfachung der Formen.
Ein einfaches “Strichmännchen”, etwa in der Art von Saul Steinberg, sieht einfach aus - ist aber meist Folge eines langen Entwicklungsweges.
Walt Disney “Mickey Mouse” z.B. sieht sehr einfach aus - aber man versuche sie einmal nachzuzeichnen - freihand!
Sein Geheimnis liegt, nach meiner Beobachtung, darin, dass er die Figuren auf geometrischen Grundformen - meist Kreise und Ellipsen - aufbaut.
Meine ersten Figuren waren sehr stark an der korrekten Anatomie orientiert.
Reizvoller und eine größere Herausforderung ist es jedoch mit einem Minimum an Linien zu arbeiten, einfachste geometrische Grundformen zu verwenden.
Es ist erstaunlich, wie wenig Striche oder Formen für eine solche Figur nötig sind!
Man kann, denke ich, als fantasiebegabter Mensch, nahezu aus jeder Form eine Figur schaffen - sei es nun eine einfach dahingeworfene Linie, ein Buchstabe,
eine Zahl oder irgendein Schriftzeichen … Was auch immer.
Im Grunde könnte man sich ein einfaches Baukastensystem einfacher Formen schaffen, die man beliebig kombiniert - ähnlich wie die chemischen Elemente zu den
vielfältigsten Molekülen kombiniert werden können.
Also aus folgendem Formenbaukasten (oder seinen Formelementen)
sammlung
könnte z.B. die folgende Figur entstehen (bzw. zusammengesetzt sein).
gesamtfigur
Oder umgekehrt: Die Figur ist aus den gegebenen Formelementen konstruiert, auf sie reduzierbar.

Eigentlich ganz gut, dass die Dinosaurier ausgestorben sind …

März 29th, 2016

Alles hat seine Zeit. Alles entwickelt sich ständig weiter, verändert sich.
Das gilt auch für das Leben und seine Formen.
Die Dinosaurier hatten ihre Zeit.
Wenn es nun, wie z.B. in “Jurassic Park” gezeigt, möglich wäre, Dinosaurier in unserer Zeit wieder heimisch zu machen, so würde dies zu ungeahnten Komplikationen führen. Sie passen einfach nicht in unsere Zeit, die Dinosaurier.
Man kann sich hierzu zum Beispiel die folgenden Alltagssituationen vorstellen:

1) Der Weg zur Arbeit
Neben all den möglichen Gefahren, wie z.B. eine Autounfall, dem Ausrutschen auf einer Bananenschale usw. könnte es doch sein, dass ein Mann, der sich auf
dem Weg zu seiner Arbeitsstelle befindet, plötzlich von einem aus einem Gebüsch hervorstoßenden Tyrannosaurus geschnappt und verspeist wird.
dino_arbeitsweg

2) Der Baum im Garten
Viele sind ja stolz auf ihr Haus, ihren Rasen, ihre Hecke und ihre Bäume, die sie hegen und pflegen. Es kann der seltene Fall eintreten, dass ein Sturm den
Garten verwüstet und die Bäume ausreißt, aber damit kann man leben.
Was aber, wenn eine hungrige Herde von Sauropoden, hungrig, sich am Grün der Blätter des schönen, schattenspendenden Baumes im Garten labt …
dino_baum

3) Der Chef
Manche der Dinosaurier würden vielleicht eine Firma gründen und man sähe sich etwa bei der Frage nach einer Gehaltserhöhung einem wütend schnaubenden,
cholerischen Triceratops gegenüber - anstatt einem herumschreienden Menschen mit puterrotem Kopf. Was ist wohl angenehmer?
dino_chef

4) Das Frühstücksei
Für viele ist ein weichgekochtes Hühnerei wesentlicher Bestandteil ihres Frühstücks. Die Hennen schert es kaum, wenn man ihnen die Eier wegnimmt oder
wenn dem so wäre, hätte man nicht viel von ihnen zu befürchten.
Nähme man nun, in der freien Natur frühstückend, einem Dinosaurier die wesentlich größeren und nahrhafteren Eier aus seinem Gehege, wäre die Karten etwas anders
gemischt und die Konsequenzen wesentlich schmerzhafter …
dino_fruhstucksei

5) Das Haustier
Früher oder später würden sich Menschen Dinosaurier als Haustiere nehmen.
Natürlich bliebe es da nicht aus, dass bestimmte Menschen sich besonders große Exemplare dieser Haustiere zulegen, die sie dann im Ernstfall nicht mehr
im Zaume halten können. Leidtragende wären die “normalen” Haustiere - von anderen Schäden und Verwüstungen mal ganz abgesehen …
dino_haustier

6) Jugendgangs
Jugendliche schließen sich gerne in Gruppen zusammen. Eben dies würden auch Gruppen jugendlicher Dinosaurier tun - in größerem Maßstab natürlich.
Provoziert nun irgendein Scherzkeks, vielleicht angetrunken, eine solche Gruppe, so kommt er bei Menschen im günstigsten Fall mit einer Tracht Prügel davon.
Was wären aber die Konsequenzen im folgenden Fall?
dino_herde

7) Streit
Es gibt Streit unter Nachbaren, Erbschaftsstreit, Streit um die Schuldfrage bei einem Autounfall usw.
Gerade der letzte Fall ist sicherlich sehr häufig, wenngleich sich die Auseinandersetzung hier meist auf ausufernde verbale Attacken beschränkt. Nun gibt es aber diese
kleinhirnigen Dinosaurier mit dieser einem Hammer oder einer Abrißbirne vergleichbaren Hornkugel an ihrem Schwanz, mit der sie - so sie sich bedroht fühlen -
wild um sich schlagen.
dino_streit

Summa summarum:
Man sollte die Dinge da belassen, wo sie hingehören und “wann” sie hingehören.
Aus dem Fellumhang wurde der Anzug, aus dem Pferdewagen das Auto, aus dem spähenden Blick in die Ferne das Fernsehen. Das Aussterben
der Dinosaurier begünstigte die Entwicklung der Säugetiere und somit die Entstehung des Menschen und folgerichtig das Tragen von Anzügen, das Fahren von
Autos und das Fernsehen.
Dinosaurier trugen keine Anzüge, fuhren keine Autos und hatten keine Fernseher - folglich passen sie so überhaupt nicht in unsere Zeit.
Wenngleich sie sich gewiss anpassen könnten, käme es doch zu unangemessenen Konfliktsituationen - wer dabei gewinnen würde ist unklar.
Drum ist es eigentlich ganz gut, dass die Dinosaurier ausgestorben sind …

Meergedanken

März 21st, 2016

Der Mensch ist eigentlich nicht fürs Wasser gemacht: Er hat weder Kiemen, noch Flossen. Der Bezug zum Wasser kommt wohl daher, dass unsere frühesten Vorfahren
aus dem Wasser kamen und an Land gingen. Bei einem solchen Landgang gilt es natürlich den geeigneten Moment zu finden …
landgang-ii
Davon abgesehen besteht der menschliche Körper zu einem großen Teil aus Wasser.
Manch einer fährt ans Meer, um sich zu erholen - andere treibt die Abenteuerlust und sie fahren zur See. Wieder andere bleiben lieber in gewohnter Umgebung und
freuen sich an ihrem Ersparten oder was auch immer.
grosse_fahrt_final
Schiffe können verunglücken - so gerät man in Seenot und wird zum Schiffbrüchigen.
Es bricht aber nicht nur das Schiff, sondern auch der Seekranke.
So allein auf dem Meer treibend, sehnt man sich verzweifelt nach einem Rettungsboot - doch nicht unbedingt jenes, das in folgendem Cartoon gezeigt ist…
rettungsboot_tod

Hilfreich ist auch ein Rettungsring, egal, wo er hängt … Die Frage ist hier natürlich: Wie oder auf welchem Wege gelangt ein Schiffbrüchiger gerade in diese
Kloschüssel, neben der ein Rettungsring hängt …? Vielleicht ist er ja einfach nur in die Kloschüssel hineingefallen …?
kloschussel_seenot

Ertrinken kann man auch im Moor, während Menschen sich andernorts begeistert ein Fußballspiel ansehen.
tor_moor

Auf einsamen Inseln ist man nicht immer allein:
Manchesmal sind sie schon besetzt - wahrsten Sinne des Wortes; zeitweise sind sie auch Schauplatz ganz alltäglicher Ereignisse …
inseltoilette
insel_arzt

Was ist Bildung?

März 11th, 2016

Viele Menschen bezeichnen sich als gebildet, andere als ungebildet.
Die meisten meinen ein bestimmtes Mass an “Wissen” oder eine bestimmte schulische Ausbildung.
Ich denke man muss hier genau differenzieren zwischen der “Bildung”, die in der Schule vermittelt wird, die ja in Wirklichkeit eine zweckmässige und zielgerichtete
Ausbildung für das Berufsleben ist.
Es ist dies eine Vermittlung von zweckmässigem Wissen für den Beruf und natürlich eines damit zusammenhängenden Weltbildes.
Bildung veranschauliche ich mir im Sinne eines Bildhauers, der ein Bild aus einem Stein meisselt.
Michelangelo sagte sinngemäß, dass das Bild (die Skulptur) schon im Marmorblock enthalten ist.
Er lege es bloss frei.

Was immer schon ein Künstler in sich trägt,
Es hält der Marmorblock in harter Hülle.
Aus rohen Steines schwerer Überfülle
Löst es der Meißel, der zur Form es schlägt.

Es kann der größte Künstler nichts ersinnen,
was unter seiner Fläche nicht der Marmor in sich enthielt’,
und nur die Hand, die ganz dem Geist gehorcht,
erreicht das Bild im Steine.

(Michelangelo Buonarotti, beide Zitate entnommen aus “http://www.aphorismen.de” )

So ist es beim Menschen - in jedem ist ein Bild dessen, der er sein soll, es muss bloss freigelegt werden, sich entfalten in der Zeit, im Leben.
Was er hier beschreibt, kann man nicht lernen durch irgendeine Ausbildung - man muss es sein!

Was einer werden kann, das ist er schon.” (Hebbel)

Bildung darf nicht mit Anhäufen von Wissen verwechselt werden, mit Wissen, zu dem man gar keinen Bezug hat. Gerade in der Schule wird man ja mit bezuglosenm Wissen vollgestopft, mit Antworten auf Fragen, die man selbst sich nie stellen würde, eben weil der innere Bezug dazu fehlt.

Bei der Bildung geht es darum, seinen inneren Wesenskern herauszubilden, herauszuarbeiten und dieses innere Bild zu verwirklichen, zu leben.
Oder wie Goethe es ausdrückt:
Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich sowenig als möglich von ihnen bestimmen lässt.
Das ganze Weltwesen liegt vor uns wie ein großer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er aus diesen zufälligen Naturmassen ein in seinem Geist entsprungenes Urbild mit der größten Ökonomie, Zweckmäßigkeit und Festigkeit zusammenstellt.
Alles außer uns ist nur Element, ja, ich darf wohl sagen, auch alles an uns; aber tief in uns liegt diese schöpferische Kraft, die das zu schaffen vermag, was sein soll,
und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns auf eine oder die andere Weise dargestellt haben.

Vom Sinn und Unsinn des Arbeitens

März 10th, 2016

Warum arbeiten Menschen überhaupt?
Die meisten wohl um sich das Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Andere, um sich selbst zu verwirklichen, ihre Fähigkeiten über die Arbeit auszuleben.
Beides macht Sinn.
Das Ergebnis der Arbeit sollte ebenso einen Nutzen bringen für möglichst viele und niemandem schaden.
Langlebigkeit der Produkte und Nachhaltigkeit schon bei der Herstellung und Konzeption sollten - gerade heute - selbstverständlich sein.
Ich habe bei bestimmten „Produkten“ bzw. den zugrunde liegenden Arbeiten den Eindruck, das die Arbeit nur um der Arbeit willen getan wird und häufig der Schaden durch das Erzeugte den Nutzen weit übertrifft.
Wozu z.B. müssen jedes Jahr neue Telefonbücher verteilt werden, die doch niemand wirklich braucht. Die ein oder zwei Nummern, die man vielleicht sucht, rechtfertigen doch
sicher nicht diese irrsinnige Papierflut.
Ebenso ist es mit den Werbeprospekten, mit denen man regelmäßig zugemüllt wird und die letztlich nur dazu dienen, die Menschen zu verleiten noch mehr unsinnige
Dinge zu kaufen, die sie gar nicht brauchen.
Viele Billigläden vertreiben im Grunde hauptsächlich Wegwerfartikel.
All das lässt die Müllberge anschwellen.
Die dahinter stehenden Arbeiten dienen doch letztendlich nur dazu Bestehendes zu erhalten, Arbeitsplätze zu sichern, Beschäftigung um der Beschäftigung willen.
Es sind Automatismen, über deren Sinn sich niemand wirklich Gedanken macht…
Mir ist es auch schleierhaft, welcher Sinn darin liegt mit einem Kaffeebecher (coffee to go) durch die Gegend zu laufen und ihn dann anschließend wegzuwerfen…
Wenn ich einen Kaffee trinken will, tue ich dies zu Hause oder setze mich in ein Kaffee.
Obwohl das Problem der Umweltverschmutzung und des Ressourcenmissbrauchs seit langen bekannt ist, geht das Verhalten der meisten Menschen doch gerade in die
entgegengesetzte Richtung: noch mehr Ressourcenverbrauch, noch mehr Müll.
Kaum jemand ist sich der Folgen seines Tuns bewusst.
Das ist sehr schade.
Man gewinnt häufig den Eindruck als ginge es im Leben lediglich ums Konsumieren:
neues Handy, neues Auto … noch neueres Handy, noch größeres Autos, Urlaub …
Viele scheinen ausser „arbeiten“ auch gar nichts mit sich anzufangen zu wissen, haben sich zu Maschinen entwickelt ohne Lebendigkeit, ohne Geist und Seele.

Wo bleibt da Zeit für das Wesentliche bei diesem ständigen Bombardement mit Vorgaben, was man tun muss, speziell durch die Werbung?
Das Wesentliche ist das ruhige Betrachten dessen, was ist, sich klarzuwerden darüber, wer man ist und was man eigentlich will, seinen eigenen Weg zu gehen.
Nur wenige sind wirklich schöpferisch, leben aus sich selbst.

Vom Ziehen und Drücken

Februar 25th, 2016

Nach Newton verursacht jede Kraft eine gleiche große Gegenkraft (actio=reactio).
Ziehe ich einen Quader über eine ebene Fläche, so wirkt der Zugkraft die Reibung des Quaders auf der Bodenfläche entgegen.
Kraft und Gegenkraft bedingen sich gegenseitig - das hält vielleicht die Welt im Gleichgewicht …?
Die Gegenkraft zum Zug (dem Ziehen) ist somit der Druck.
Druck hat nun mehrere Bedeutungen - einmal die Kraft des Drückens, dann aber auch die Tätigkeit des Druckens.
Zug hat ebenso mehrere Bedeutungen: die Kraft des Ziehens, das Schienenfahrzeug, oder das Ziehen im Sinne von Fortziehen oder Verreisen.
Es gibt zusammengesetzte Wörter, in denen der Begriff “Zug” auftaucht.
Verbinde ich die beiden Wörter “Zug” und “Druck” nun mit dem Wort “Vogel”, so erhalte ich die beiden “Wortbilder”:
(1) Zug+Vogel=Zugvogel und
(2) Druck+Vogel=Druckvogel

Jedes dieser beiden Wortbilder kann ich in mindestens zwei Formen bildlich darstellen:
Variante 1:
zdv1
Variante 2:
zdv2

Denkbar wäre für Variante 1 auch ein Vogel, der in einen Zug sitzt usw.
Was sich mir hier wieder zeigt ist die Bildkraft, die in vielen Worten steckt.
Diese Worte sind dadurch mehr als Worte - es sind “Bildworte”.

Wie gehts?

Januar 14th, 2016

“Wie gehts?” - Meist stellt man diese Frage zu Beginn einer Kommunikation. Wahrscheinlich deshalb, um nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, als Überleitung.
Wirklich für die Befindlichkeit des Gegenüber interessieren tut man sich in der Regel nicht. Die Antwort des Begrüßten ist meist „Gut.“.
Das heißt jedoch nicht, dass es ihm nun tatsächlich gut geht. Dieses „Gut“ kann sich ja auf alles mögliche beziehen: körperliche Gesundheit, die Geschäfte gehen gut, die Ehe geht gut, ein seelisches Wohlgefühl usw.
Kaum einer wird hier antworten „Schlecht“,denn das zieht möglicherweise bohrende Fragen nach sich – es sein denn, man will sich was von der Seele reden.
Es gibt aber auch Menschen, die die Frage „Wie gehts?“ aus tatsächlicher Neugier stellen, vielleicht gar, weil sie hoffen dem andere ginge es schlechter als ihnen selbst, was es ihnen selbst dann vielleicht wiederrum für den Moment des Triumphs „besser“ gehen lässt.
Man erkennt diese Intention der Frage am Tonfall, der Mimik, den Augen, dem meist vorgestreckten Kopf.
In unserem Kulturkreis begrüßt man sich körperlich meist mit der Hand.
Betrachten wir das ganze zunächst Mal aus Sicht der Wissenschaft:
Brauchwiki“ sagt zur Funktion des Grüßens
In der Regel wird der Ursprung des Grüßens wie auch einzelner Grußgebärden aus dem friedlosen Zustand früherer Epochen hergeleitet : Um sich unnötige Konflikte zu ersparen, haben sich Begegnende einander durch Grußgebärden ihrer friedlichen Absicht versichert.
Desmond Morris („Der Mensch mit dem wir leben“), der menschliche Verhaltensweisen wissenschaftlich untersucht hat, stellt fest:
Ein Grußzeremoniell zeigt, dass wir es mit jemandem gut meinen. Es übermittelt Signale der Freundschaft oder des Fehlens von Feindseligkeit.

Das „Wie geht es dir?“ bezeichnet Morris als „Pflegegeplauderals „belanglose Bemerkungen, die für sich kaum etwas besagen, mit denen wir aber stimmlich unsere Freude über die stattfindende Begegnung ausdrücken.
Unwillkommene Gäste begrüßen wir mit einem Händedruck und drücken bei ihrem Abschied unser Bedauern aus, obschon wir froh sind, dass sie endlich wieder verschwinden.“

Nun gibt es ja Menschen, die immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen haben und wild durch die Gegend grüßen oder einfach gerne grüßen.
Das brachte mich auf die Idee des Herrn „Tachwiegehts“, der genau das tut und nur dafür lebt.
herr_tachwiegehts

Begrüßungsrituale unterscheiden sich von Kultur zu Kultur. So kann das begrüßende Aufeinandertreffen von zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, zumindest beim ersten Kontakt für Unsicherheit und Irritation sorgen. Aber man lernt was dazu.
begrusungsritual

Letztlich kann man das Begrüßen auf eine etwas absurde Ebene heben und variieren, wie es in den folgenden Cartoons von mir gemacht wurde - das Thema heißt: “Guten Tag, der Herr!”
guten_tag_der_herr_001
guten_tag_der_herr_002
guten_tag_der_herr_003
guten_tag_der_herr_004
Das Grüßen funktioniert anscheinend auch im kosmischen Zusammenhang:
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten..
“,
sagt Goethe in seinen „Orphischen Urworten“.

Ich weiß nun leider nicht, ob die Sonne die Planeten in dem Zusammenhang auch gefragt hat „Wie gehts?“, ob sie es ehrlich gemeint hat und was ein Planet da wohl antworten würde …

Lebensangst

Januar 13th, 2016

Wohin gehst du?“, fragte ein Pilger im Osten, als er eines Tages der Pest begegnete. „Ich gehe nach Bagdad, um fünftausend Menschen zu töten“, war die Antwort. Einige Tage darauf traf der Pilger die Pest wieder bei ihrer Rückkehr. „Du hast mir gesagt, du wolltest nach Bagdad gehen und fünftausend Menschen töten“, sagte er, „aber stattdessen hast du fünfzigtausend getötet.“ „Nein“, antwortete die Pest, „ich habe bloß fünftausend getötet, die anderen starben vor Furcht.

Es ist eine Tatsache, dass jeder - im Kleinen, wie im Großen - fast täglich, vor irgendetwas sich fürchtet. Diese Furcht kann im bewusst sein oder in ihm lauern, um sich dann plötzlich mit einem Gedanken verbinden.
Gegenstand der Angst ist immer das Ungewisse, das Unplanbare, das meine Pläne durchkreuzt.
Man versichert sich gegen alles Mögliche und hofft, dass alles so bleibe, wie es einem angenehm ist. Es könnte natürlich immer noch etwas besser sein.
Manche dieser Befürchtungen sind kollektiver Natur, wie die Angst vor Naturkatastrophen oder gar dem strong>Weltuntergang - andere mehr individuell: der eigene Tod, der Verlust des Arbeistplatzes, Krankheit etc.
Erstaunlicherweise treten die meisten oder gerade die schlimmsten Befürchtungen nie oder zumindest nie in der von der Angst aufgeblähten Größe auf.
Deswegen treten aber immer wieder Ereignisse an den Menschen heran, mit denen er so überhaupt gar nicht gerechnet hat - das nennt man Leben!
Hier hilft keine Risikolebensversicherung.
Sieht man diese Ereignisse als Lernaufgaben, an denen man wachsen kann, lebt man wesentlich entspannter und entkrampfter.
Hier ein paar typische Beispiele für Ereignisse, die angstvoll gefürchtet werden:

I. Individuelle Ängste und Befürchtungen
Die meisten fürchten wohl den Verlust ihres Arbeistplatzes und damit ihrer finanziellen Sicherheit.
flasche
Bei vielen schlummeren verdrängte Wünsche, Gedanken an offene Rechnungen mit dem Leben unter der Oberfläche, mit denen man sich womöglich irgendwann wieder konfrontiert sieht und diese die offene Rechnung einem vorhalten.
verdrangte_probleme
Ansonsten gibt es noch die kleinen Missgeschicke des Alltags, die an gewissen Orten anscheinend gehäuft auftreten …gleich sieben an der Zahl!
strasse_der_sieben_missgeschicke

Beunruhigend sind auch - während man auf der Autobahn unterwegs ist - die immer wiederkehrenden Meldungen über Geisterfahrer, vor allem wenn das dann tatsächlich Geister sind.
geisterfahrer

Man kann krank werden und eventuell an der Krankheit sterben, die Seele, so man daran glaubt, entfleucht. Damit rechnet aber irgendwie jeder, egal an was er glaubt oder nicht glaubt.
fang_die_seele

Aber! Was wohl am schlimmsten ausgeprägt ist, ist die Angst vor dem Schicksal, das einen doch manchmal sehr hart schlagen kann. Natürlich sitzt da irgendwo jemand (hier eine Frau als Allegorie des Schicksals) und hat den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als sich Schicksalsschläage auszudenken.
Ich frage mich, ob man den Beruf lernen oder studieren kann…!?
schicksal_plant

Dann gibt es noch die Ereignisse, die so aberwitzig sind, das keine Mensch je daran denkt, wie im folgenden Cartoon gezeigt, der mir beim Einkauf im ALDI einfiel.
kasse_schiesst
II. Kollektive Ängste und Befürchtungen
Gegenwärtig wird ja ununterbrochen über die Klimaerwärmung diskutiert, über das Schicksal der Eisbären, das Schmelzen der Polkappen usw. Das fürchtet jeder, wenngleich die Ausprägung dieser Furcht im folgenden Cartoon momentan noch mehr ein Einzelfall ist.
klimaphobiker
Noch etwas tiefer im kollektiven Bewusstsein ist die Angst vor dem Weltuntergang verwurzelt. Die gab es wohl schon, seit es Menschen gibt, die ihren Blick zum Firmament richteten … Viele falsche Propheten und Wahrsager machen sich diese Ängste gerne zunutze - mehr um Macht über sie zu haben, als ihnen zu helfen.
Am besten man macht eine Prophezeiung, die dann eintreffen soll, wenn man nicht mehr ist, dann wird man zumindest zu Lebzeiten nicht zur Rechenschaft gezogen.
Ich weiß ehrlich gesagt auch immer noch nicht, wie so ein Weltuntergang eigentlich von Statten geht …!?
So wie im folgenden Cartoon vielleicht?
planeten_fussball
Im Jahre 2012 wartete so mancheiner vergebens auf den Weltuntergang. Da saß man, wartete in höchster Spannung, was sich wohl vor dem Fenster alles ereignen würde…
Und was war? - Nichts! Gar nichts!
apokalypse-2012

Carl Gustav Jung hat ja herausgefunden, dass im Kollektiven Unbewussten (einem gemeinsamen Erfahrungsschatz, auf den alle Menschen zugreifen können) „typische Reaktionsweisen der Menschheit seit ihren Uranfängen „ gespeichert sind, also z.B. Reaktions- oder Verhaltensmuster für „Situationen wie Angst, Gefahr, Kampf gegen Übermacht“ usw.
Das zeigt, dass die Furcht so alt ist wie der Mensch, wahrscheinlich älter, da ja auch Tiere Furcht zeigen.
Eigentlich ist Furcht Ausdruck von Lebensangst. Wer mutig lebt und Herausforderungen nicht scheut, kennt keine Furcht oder lässt sich nicht von ihr drangsalieren.
Entscheidend ist das, was tatsächlich passiert und wie man damitumgeht,nicht das, was passieren könnte.

Schweigeminute.

Januar 4th, 2016

Bei bestimmten, eher traurigen Anlässen, gibt es ja eine sogenannte “Schweigeminute”.
Das kennt jeder - zumindest aus dem Fernsehen - wo es dann heißt: “Jetzt wollen wir im Gedenken an Diesunddas eine Schweigeminute einlegen …”
Alle schweigen dann angestrengt und ziemlich laut.
Was ich mich immer gefragt habe: “An was denken die Menschen in dieser Minute?”
Können die tatsächlich eine Minute lang, völlig konzentriert an diesen Menschen denken - ihre Gedanken zum Schweigen bringen?
Unglaubwürdig, d.h. ich glaube es nicht.
Denn nach allem, was ich so über Meditation gehört habe bzw. selber weiß, ist es nahezu unmöglich seine Gedanken auch nur eine Sekunde zum Schweigen zu bringen, geschweige denn eine Minute.
Oder anders herum: sowas funktioniert nur nach jahrelangem Üben und Meditieren und mit völliger innerer Ruhe!
Das können die Wenigsten.
In der Regel wird jeder den gleichen belanglosen Dingen nachdenken, wie er es sonst auch tut.

“Was gibt es heute zu essen?”
“Ich muss noch einen Inspektionstermin machen!”
“Ich muss aufs Klo.”
“Habe ich meine Katze gefüttert?”
“Ist der Raum gekrümmt?”
“Kann ich mit meinem Auto schneller fahren als das Licht? Und erwischt mich dann die Radarfalle noch?”
usw.
Die Frage ist nun: Was soll das?
Jeder weiß, das er eben nicht an das denkt, an das er denken soll und dies auch gar nicht kann.
Und doch tut jeder so als könnte er es und weiß genau, dass die anderen es auch nicht können.
Vielleicht fragt sich mancheiner auch: “Wie machen die das? Wieso kann ich das nicht” und verzweifelt, weil er keine Antwort findet und kann auf der Suche nach dieser Antwort sich auch überhaupt nicht konzentrieren, seine Gedanken zum “Gedenken” nicht - also zum Schweigen - nicht anhalten!
Vor allem frage ich mich, wie ich schweigend Menschen gedenken kann, die ich gar nicht persönlich kenne?
Wenn Menschen bei einer Naturkatastrophe irgendwo in der Welt ums Leben kommen oder ihr Hab und Gut verlieren …
An was denke ich da: An meine Angst? An ihr Leiden? Habe ich wirklich Mitgefühl, wenn ich an solch einer Schweigeminute teilnehme oder ist es Show?
Helfe ich diesen Verunglückten oder lerne ich was aus deren Sitution?
Wie auch immer, hier ist der Cartoon:
schweigeminute

Erinnerungen eines Wachhundes

November 6th, 2015

Hunde gelten als treu. Sie markieren ihr Revier oder das, was sie dafür halten und verteidigen dieses auch.
Manche Menschen nutzen Hunde aufgrund ihres guten Gehörs als eine Art Alarmanlage.
Vor dem umzäunten Grundstück, am Zaun, sieht man oft Schilder mit Aufschriften, wie „Warnung vor dem Hunde!“ oder „Vorsicht, bissiger Hund!“.
Das gab es schon zur Zeit der Römer. So befindet sich in Pompeji ein Mosaik mit der Aufschrift: „cave canem“, was so viel heißt wie: „Hüte dich vor dem Hund!
Hier wird mehr der aggressive Aspekt des Hundes in den Vordergrund gestellt.

Interessant fand ich ein Schild, dass ich kürzlich gesehen habe. Abgebildet war ein Rottweiler - eine Art Porträtfoto in Dreiviertelansicht, fast menschlich wirkend.
Die Aufschrift:
Mein Haus! Mein Garten! Meine Familie!

Hier wird der Hund mehr als ein Familienmitglied gesehen und natürlich auch wieder gedroht, wenn nicht direkt.
Die Fragen, die sich dabei stellen:
- „Was soll der Hund schützen?“
- „Vor wem soll er es schützen?“
- „Warum soll er das überhaupt tun?“

Um was es geht sind „Sicherheit“ und „Besitz“. Niemand lässt sich gerne etwas wegnehmen. Dahinter steckt Angst vor dem Verlust und der Unsicherheit.
Aus den USA hört man ja öfters, dass Leute Einbrecher erschiessen - eben weil dort auch viele eine Schusswaffe besitzen und weil dort eine aggressivere Besitzmentalität
vorherrscht.
Aber stimmen da die Relationen noch? Ein Menschenleben gegen gestohlenen Schmuck?
Muss ich jemanden erschiessen, nur weil er meine Reviergrenzen überschreitet?
Steht das Lebendige im Wert nicht über dem Leblosen?

Wie komme ich eigentlich darauf, dass mir überhaupt irgendetwas gehört?
Konsequent zu Ende gedacht wird doch spätestens der Tod, „der große Nehmer“ mir alles wegnehmen. Da nützt mir kein Wachhund, keine Alarmanlage, kein Gewehr, keine Pistole … den Tod kann ich nicht erschiessen oder verjagen.
Ich werde also in jedem Fall allen Besitz und alle scheinbare Sicherheit verlieren, früher oder später.
Wenn ich freiwillig Dinge abgebe, meine Bande zu den Dingen lockern, „Haben“ durch „Sein“ ersetze, so schwinden auch die Reviergrenzen und keiner kann eine solche überschreiten und mir etwas Wesentliches wegnehmen …

Was den Hund betrifft: Er betrachtet sicherlich das Haus der Menschen, bei denen er lebt als „sein Haus“, den Garten als „seinen Garten“ und die Familie als „seine Familie“ (sein Rudel). Er kann nicht anders, der Mensch schon.
Ist der Hund dann irgendwann außer Dienst, als „Wachhund a.D.“, schreibt er vielleicht seine Memoiren oder schwelgt in Erinnerungen an die guten alten Zeiten …
erinnerungen-eines-wachhundes
Folgen einer übersteigerten Besitzmentalität, hervorgehend aus einer Überbetonung des “mein” und Abgrenzung gegenüber dem “dein” sind Streitigkeiten zwischen Nachbarn.
Nachbarschaftsstreitigkeiten sind im Grunde nichts weiter als Revierkämpfe, die oft absurde Formen annehmen und sehr schnell ins Maßlose eskalieren können …
nachbarschaftsstreit
Die Verteidigung von Reviergrenzen ist beim Hund natürlicher Instinkt, beim Menschen, der ja mit einer bewußten Denkfähigkeit ausgestattet ist, die Folge einer eingeengten Sichtweise, eines falschen, egoistischen Denkens.
Hund und Mensch sind somit - in vielen Fällen zumindest - gar nicht so weit voneinander entfernt…