Die Maulwurf-Trilogie

August 15th, 2016

Es fängt immer gleich an, scheinbar ganz harmlos …
Da hat jemand, nennen wir ihn stellvertretend für alle Kleingartenbesitzer “Herr Meier” einen schönen und sorgfältig gepflegten Rasen - mit exakt 5cm langen Grashalmen, kein Kräutchen Unkraut - an dessen Anblick er sich am Wochenende oder nach Feierabend ergötzen möchte.
Doch dann sind sie da, die Invasoren und haben sein Idyll zerstört - der Rasen ist übersät mit diesen Wurfhügeln - ein schrecklicher Anblick.
Herr Meier schnaubt vor Wut.
Es ist seltsam und typisch - bei jedem, der von Maulwürfen in seinem Garten erzählt, hört man unterschwellig immer diesen zerstörerischen Grundton heraus:
“Das lass ich mir nicht gefallen. Die müssen weg!”.
Dann greift man zu verschiedenen bewährten Methoden, wie dem Wasserschlauch ..
Dies ist der erste Akt der Maulwurftrilogie.
maulwurf_rakete
Nun weiß unser guter Herr Meier aber nicht, dass Maulwürfe gar nicht so dumm sind. Gerade die in seinem Garten sind technologisch hochentwickelt und wissen
das Wasser technologisch geschickt zu nutzen - das weiß Herr Meier wie gesagt aber nicht.
Seine Maulwürfe bauen übrigens keine Interkontinentalrakete mit nuklearem Sprengkopf, sondern bereiten eine Expedition zum Mond vor, den sie gerne umgraben möchten, da er ja noch unbewohnt ist.
Natürlich müssen sie ein paar Regenwürmer mitnehmen - allerdings regnet es auf dem Mond nicht, weshalb sie auch von Herrn Meiers Wasser mitnehmen …
Der zweite Akt der Trilogie:
meier_gegen_maulwurf
Herr Meiers Maulwürfe schlagen zurück: Sie dringen in sein Haus ein, sehen fern, bauen vor seiner Couch einen Hügel. Herr Meier schlägt mit seiner Flinte zurück.
Es gibt Opfer auf Seiten der Maulwürfe.
Schließlich geht die Sache vor Gericht. Die Maulwürfe erhalten ein begrenztes Gebiet, ein Reservat zugesprochen, was Herrn Meier nicht gefällt, immer wieder schickaniert er sie.
Letztlich läuft das Fass dann über: der dritte Akt der Trilogie.
maulwurf_letzte_stellung
Die Maulwürfe engagieren einen bewährten General - Napoleon Schaufler, der die Entscheidungsschlacht führen soll. Da dieser ein Faible für die napoleonischen
Schlachten hat, greifen die Maulwürfe nicht auf ihre Hochtechnologie zurück, sondern benutzen Vorderladergewehre, Säbel und Kanonen.
Sie drängen Herrn Meier immer weiter zurück. Verzweifelt verschanzt sich dieser in seiner letzten Rückzugsstellung.
Dort stellen ihn die Maulwürfe und haben die Schlacht gewonnen. Nun können sie Herrn Meier ihre Kapitulationsbedingungen diktieren und überreichen ihm den
Kapitulationsvertrag.
So könnte es ja durchaus einmal sein …?

Gott als Cartoonist?

August 4th, 2016

Mal angenommen, einfach nur mal angenommen es gäbe einen personalisierten Gott.
Ich meine den alten Mann mit Halbglatze, Bart, Sandalen und dem weißen Gewand und natürlich mit dem Heiligenschein - der darf ja in keinem Fall fehlen, denn es
ist das typische Erkennungszeichen dieses Gottes.
Außerdem lebt er auf einer Wolke, fliegt mit ihr durch das Weltall: sieht alles, weiß alles, kann alles usf.
Nun fragt man sich natürlich, was macht so ein Gott den ganzen Tag?
Liest er Illustriert, schaut er Fernsehen?
Bei allen Fernsehsendern des Universums dürfte die Auswahl schwer fallen - es wären schätzungsweise 2487 Quadrillionen Sender …
Vielleicht hat er ja ein Hobby - das Cartoonzeichnen könnte ich mir gut vorstellen.
Und wäre dem so, wäre die Frage “Schicksal oder freier Wille” endlich geklärt!
Denn in dem Falle wäre das gesamte Universum ein riesiger, unermesslicher Cartoon.
Alle Lebewesen wären Cartoonfiguren. Alle Missgeschicke wäre am Zeichentisch, eben aus humoristischen Gründen entstanden.
Wenn man sich dann als Mensch bewusst macht, dass man ja eigentlich nur eine Cartoonfigur ist, kann man das Leben und all seine Widrigkeiten doch sehr viel
lockerer nehmen, mit Humor, oder?
Wahrscheinlich würden die meisten dann doch wissen wollen, welche Rolle sie in diesem kosmischen Cartoon spielen und ob ihnen vielleicht was auf den Kopf fällt
oder doch besser einem anderen - das ist wohl die gängige Art von “Humor”.
Letztendlich sollte man das Leben aber nicht zu ernst nehmen … eigentlich ist es doch ganz spassig, wenn einem so ein Blumentopf auf den Kopf fällt oder jemand
einem von oben einen Eimer Wasser aufs Haupt schüttet - wer kann schon von sich behaupten, dass er sowas erlebt hat?
gott_zeichnet_cartoon

Von ungewöhnlichen Tieren

Juni 4th, 2016

Die etwas grösseren Tiere dürften den Zoologen soweit wohl alle bekannt sein, ebenso ihre Verhaltensweisen, die sich im Grunde nur um Nahrungsaufnahme und
Paarung dreht - also ums Überleben des Einzeltieres zur Erhaltung seiner Art.
Es könnte aber doch auch - so im Verborgenen - Tiere geben, die diesen Klischees nicht entsprechen - sei es, dass sie ungewöhnliche Abweichungen von ihrer Art
darstellen oder dass sie einfach bisher ganz unbekannte, über den Standard hinausgehende Verhaltensweisen zeigen.
Bei den eher ungewöhnlichen Exemplaren wäre es tragisch, wenn sie entdeckt würden, da dies ihr Dasein wohl schnell beenden würde. Im günstigsten Falle endeten sie
im Zoo, im ungünstigsten als Jagdtrophäe.
Einige jedoch könnten mit ihren Fähigkeiten Karriere machen, im Zirkus, im Film oder gar in der Wissenschaft …
Hier nun drei Tiere, die ich meine:
Da wäre zum einen der “geblümte Tiger“, der vornehmlich auf Blumenwiesen lebt und zur Tarnung über ein entsprechend gemustertet Fell verfügt. Möglicherweise lebt
er überall auf Wiesen. Wegen seiner vorzüglichen Tarnung hat ihn jedoch nie jemand gesehen …?
blumentiger
Weiter geht es mit einer ganz besonders hoch entwickelten Art, dem “Geoparden“.
Nach der Lektüre einiger geografischer Werke, die Naturforscher nach ihrer Expedition haben liegen lassen (ebenso einen Globus) hat sich dieser Leopard mit
Geografie beschäftigt und wurde so zum Geoparden.
geopard
Das letzte Beispiel ist ein Tier, das einfach nur Spass haben will.
Vielleicht gerade aufgrund seiner Körpermasse möchte es gerne die Leichtigkeit der Bewegung verspüren und hat sich deshalb ein paar Sprungfedern besorgt.
So wird aus dem etwas schwerfälligen Elefanten der leichtfüssige “Sprungofant“.
springofant
Ein paar weitere Beispiele zu ungewöhnlichen Tieren finden sie auf meiner Khartoon-Seite.

Formspielereien

April 20th, 2016

Das Zeichnen von Cartoonfiguren ist letztlich auch nichts anderes als ein stetiger Entwicklungsprozess - ein Prozess stetiger Vereinfachung der Formen.
Ein einfaches “Strichmännchen”, etwa in der Art von Saul Steinberg, sieht einfach aus - ist aber meist Folge eines langen Entwicklungsweges.
Walt Disney “Mickey Mouse” z.B. sieht sehr einfach aus - aber man versuche sie einmal nachzuzeichnen - freihand!
Sein Geheimnis liegt, nach meiner Beobachtung, darin, dass er die Figuren auf geometrischen Grundformen - meist Kreise und Ellipsen - aufbaut.
Meine ersten Figuren waren sehr stark an der korrekten Anatomie orientiert.
Reizvoller und eine größere Herausforderung ist es jedoch mit einem Minimum an Linien zu arbeiten, einfachste geometrische Grundformen zu verwenden.
Es ist erstaunlich, wie wenig Striche oder Formen für eine solche Figur nötig sind!
Man kann, denke ich, als fantasiebegabter Mensch, nahezu aus jeder Form eine Figur schaffen - sei es nun eine einfach dahingeworfene Linie, ein Buchstabe,
eine Zahl oder irgendein Schriftzeichen … Was auch immer.
Im Grunde könnte man sich ein einfaches Baukastensystem einfacher Formen schaffen, die man beliebig kombiniert - ähnlich wie die chemischen Elemente zu den
vielfältigsten Molekülen kombiniert werden können.
Also aus folgendem Formenbaukasten (oder seinen Formelementen)
sammlung
könnte z.B. die folgende Figur entstehen (bzw. zusammengesetzt sein).
gesamtfigur
Oder umgekehrt: Die Figur ist aus den gegebenen Formelementen konstruiert, auf sie reduzierbar.

Eigentlich ganz gut, dass die Dinosaurier ausgestorben sind …

März 29th, 2016

Alles hat seine Zeit. Alles entwickelt sich ständig weiter, verändert sich.
Das gilt auch für das Leben und seine Formen.
Die Dinosaurier hatten ihre Zeit.
Wenn es nun, wie z.B. in “Jurassic Park” gezeigt, möglich wäre, Dinosaurier in unserer Zeit wieder heimisch zu machen, so würde dies zu ungeahnten Komplikationen führen. Sie passen einfach nicht in unsere Zeit, die Dinosaurier.
Man kann sich hierzu zum Beispiel die folgenden Alltagssituationen vorstellen:

1) Der Weg zur Arbeit
Neben all den möglichen Gefahren, wie z.B. eine Autounfall, dem Ausrutschen auf einer Bananenschale usw. könnte es doch sein, dass ein Mann, der sich auf
dem Weg zu seiner Arbeitsstelle befindet, plötzlich von einem aus einem Gebüsch hervorstoßenden Tyrannosaurus geschnappt und verspeist wird.
dino_arbeitsweg

2) Der Baum im Garten
Viele sind ja stolz auf ihr Haus, ihren Rasen, ihre Hecke und ihre Bäume, die sie hegen und pflegen. Es kann der seltene Fall eintreten, dass ein Sturm den
Garten verwüstet und die Bäume ausreißt, aber damit kann man leben.
Was aber, wenn eine hungrige Herde von Sauropoden, hungrig, sich am Grün der Blätter des schönen, schattenspendenden Baumes im Garten labt …
dino_baum

3) Der Chef
Manche der Dinosaurier würden vielleicht eine Firma gründen und man sähe sich etwa bei der Frage nach einer Gehaltserhöhung einem wütend schnaubenden,
cholerischen Triceratops gegenüber - anstatt einem herumschreienden Menschen mit puterrotem Kopf. Was ist wohl angenehmer?
dino_chef

4) Das Frühstücksei
Für viele ist ein weichgekochtes Hühnerei wesentlicher Bestandteil ihres Frühstücks. Die Hennen schert es kaum, wenn man ihnen die Eier wegnimmt oder
wenn dem so wäre, hätte man nicht viel von ihnen zu befürchten.
Nähme man nun, in der freien Natur frühstückend, einem Dinosaurier die wesentlich größeren und nahrhafteren Eier aus seinem Gehege, wäre die Karten etwas anders
gemischt und die Konsequenzen wesentlich schmerzhafter …
dino_fruhstucksei

5) Das Haustier
Früher oder später würden sich Menschen Dinosaurier als Haustiere nehmen.
Natürlich bliebe es da nicht aus, dass bestimmte Menschen sich besonders große Exemplare dieser Haustiere zulegen, die sie dann im Ernstfall nicht mehr
im Zaume halten können. Leidtragende wären die “normalen” Haustiere - von anderen Schäden und Verwüstungen mal ganz abgesehen …
dino_haustier

6) Jugendgangs
Jugendliche schließen sich gerne in Gruppen zusammen. Eben dies würden auch Gruppen jugendlicher Dinosaurier tun - in größerem Maßstab natürlich.
Provoziert nun irgendein Scherzkeks, vielleicht angetrunken, eine solche Gruppe, so kommt er bei Menschen im günstigsten Fall mit einer Tracht Prügel davon.
Was wären aber die Konsequenzen im folgenden Fall?
dino_herde

7) Streit
Es gibt Streit unter Nachbaren, Erbschaftsstreit, Streit um die Schuldfrage bei einem Autounfall usw.
Gerade der letzte Fall ist sicherlich sehr häufig, wenngleich sich die Auseinandersetzung hier meist auf ausufernde verbale Attacken beschränkt. Nun gibt es aber diese
kleinhirnigen Dinosaurier mit dieser einem Hammer oder einer Abrißbirne vergleichbaren Hornkugel an ihrem Schwanz, mit der sie - so sie sich bedroht fühlen -
wild um sich schlagen.
dino_streit

Summa summarum:
Man sollte die Dinge da belassen, wo sie hingehören und “wann” sie hingehören.
Aus dem Fellumhang wurde der Anzug, aus dem Pferdewagen das Auto, aus dem spähenden Blick in die Ferne das Fernsehen. Das Aussterben
der Dinosaurier begünstigte die Entwicklung der Säugetiere und somit die Entstehung des Menschen und folgerichtig das Tragen von Anzügen, das Fahren von
Autos und das Fernsehen.
Dinosaurier trugen keine Anzüge, fuhren keine Autos und hatten keine Fernseher - folglich passen sie so überhaupt nicht in unsere Zeit.
Wenngleich sie sich gewiss anpassen könnten, käme es doch zu unangemessenen Konfliktsituationen - wer dabei gewinnen würde ist unklar.
Drum ist es eigentlich ganz gut, dass die Dinosaurier ausgestorben sind …

Meergedanken

März 21st, 2016

Der Mensch ist eigentlich nicht fürs Wasser gemacht: Er hat weder Kiemen, noch Flossen. Der Bezug zum Wasser kommt wohl daher, dass unsere frühesten Vorfahren
aus dem Wasser kamen und an Land gingen. Bei einem solchen Landgang gilt es natürlich den geeigneten Moment zu finden …
landgang-ii
Davon abgesehen besteht der menschliche Körper zu einem großen Teil aus Wasser.
Manch einer fährt ans Meer, um sich zu erholen - andere treibt die Abenteuerlust und sie fahren zur See. Wieder andere bleiben lieber in gewohnter Umgebung und
freuen sich an ihrem Ersparten oder was auch immer.
grosse_fahrt_final
Schiffe können verunglücken - so gerät man in Seenot und wird zum Schiffbrüchigen.
Es bricht aber nicht nur das Schiff, sondern auch der Seekranke.
So allein auf dem Meer treibend, sehnt man sich verzweifelt nach einem Rettungsboot - doch nicht unbedingt jenes, das in folgendem Cartoon gezeigt ist…
rettungsboot_tod

Hilfreich ist auch ein Rettungsring, egal, wo er hängt … Die Frage ist hier natürlich: Wie oder auf welchem Wege gelangt ein Schiffbrüchiger gerade in diese
Kloschüssel, neben der ein Rettungsring hängt …? Vielleicht ist er ja einfach nur in die Kloschüssel hineingefallen …?
kloschussel_seenot

Ertrinken kann man auch im Moor, während Menschen sich andernorts begeistert ein Fußballspiel ansehen.
tor_moor

Auf einsamen Inseln ist man nicht immer allein:
Manchesmal sind sie schon besetzt - wahrsten Sinne des Wortes; zeitweise sind sie auch Schauplatz ganz alltäglicher Ereignisse …
inseltoilette
insel_arzt

Was ist Bildung?

März 11th, 2016

Viele Menschen bezeichnen sich als gebildet, andere als ungebildet.
Die meisten meinen ein bestimmtes Mass an “Wissen” oder eine bestimmte schulische Ausbildung.
Ich denke man muss hier genau differenzieren zwischen der “Bildung”, die in der Schule vermittelt wird, die ja in Wirklichkeit eine zweckmässige und zielgerichtete
Ausbildung für das Berufsleben ist.
Es ist dies eine Vermittlung von zweckmässigem Wissen für den Beruf und natürlich eines damit zusammenhängenden Weltbildes.
Bildung veranschauliche ich mir im Sinne eines Bildhauers, der ein Bild aus einem Stein meisselt.
Michelangelo sagte sinngemäß, dass das Bild (die Skulptur) schon im Marmorblock enthalten ist.
Er lege es bloss frei.

Was immer schon ein Künstler in sich trägt,
Es hält der Marmorblock in harter Hülle.
Aus rohen Steines schwerer Überfülle
Löst es der Meißel, der zur Form es schlägt.

Es kann der größte Künstler nichts ersinnen,
was unter seiner Fläche nicht der Marmor in sich enthielt’,
und nur die Hand, die ganz dem Geist gehorcht,
erreicht das Bild im Steine.

(Michelangelo Buonarotti, beide Zitate entnommen aus “http://www.aphorismen.de” )

So ist es beim Menschen - in jedem ist ein Bild dessen, der er sein soll, es muss bloss freigelegt werden, sich entfalten in der Zeit, im Leben.
Was er hier beschreibt, kann man nicht lernen durch irgendeine Ausbildung - man muss es sein!

Was einer werden kann, das ist er schon.” (Hebbel)

Bildung darf nicht mit Anhäufen von Wissen verwechselt werden, mit Wissen, zu dem man gar keinen Bezug hat. Gerade in der Schule wird man ja mit bezuglosenm Wissen vollgestopft, mit Antworten auf Fragen, die man selbst sich nie stellen würde, eben weil der innere Bezug dazu fehlt.

Bei der Bildung geht es darum, seinen inneren Wesenskern herauszubilden, herauszuarbeiten und dieses innere Bild zu verwirklichen, zu leben.
Oder wie Goethe es ausdrückt:
Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich sowenig als möglich von ihnen bestimmen lässt.
Das ganze Weltwesen liegt vor uns wie ein großer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er aus diesen zufälligen Naturmassen ein in seinem Geist entsprungenes Urbild mit der größten Ökonomie, Zweckmäßigkeit und Festigkeit zusammenstellt.
Alles außer uns ist nur Element, ja, ich darf wohl sagen, auch alles an uns; aber tief in uns liegt diese schöpferische Kraft, die das zu schaffen vermag, was sein soll,
und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns auf eine oder die andere Weise dargestellt haben.

Vom Sinn und Unsinn des Arbeitens

März 10th, 2016

Warum arbeiten Menschen überhaupt?
Die meisten wohl um sich das Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Andere, um sich selbst zu verwirklichen, ihre Fähigkeiten über die Arbeit auszuleben.
Beides macht Sinn.
Das Ergebnis der Arbeit sollte ebenso einen Nutzen bringen für möglichst viele und niemandem schaden.
Langlebigkeit der Produkte und Nachhaltigkeit schon bei der Herstellung und Konzeption sollten - gerade heute - selbstverständlich sein.
Ich habe bei bestimmten „Produkten“ bzw. den zugrunde liegenden Arbeiten den Eindruck, das die Arbeit nur um der Arbeit willen getan wird und häufig der Schaden durch das Erzeugte den Nutzen weit übertrifft.
Wozu z.B. müssen jedes Jahr neue Telefonbücher verteilt werden, die doch niemand wirklich braucht. Die ein oder zwei Nummern, die man vielleicht sucht, rechtfertigen doch
sicher nicht diese irrsinnige Papierflut.
Ebenso ist es mit den Werbeprospekten, mit denen man regelmäßig zugemüllt wird und die letztlich nur dazu dienen, die Menschen zu verleiten noch mehr unsinnige
Dinge zu kaufen, die sie gar nicht brauchen.
Viele Billigläden vertreiben im Grunde hauptsächlich Wegwerfartikel.
All das lässt die Müllberge anschwellen.
Die dahinter stehenden Arbeiten dienen doch letztendlich nur dazu Bestehendes zu erhalten, Arbeitsplätze zu sichern, Beschäftigung um der Beschäftigung willen.
Es sind Automatismen, über deren Sinn sich niemand wirklich Gedanken macht…
Mir ist es auch schleierhaft, welcher Sinn darin liegt mit einem Kaffeebecher (coffee to go) durch die Gegend zu laufen und ihn dann anschließend wegzuwerfen…
Wenn ich einen Kaffee trinken will, tue ich dies zu Hause oder setze mich in ein Kaffee.
Obwohl das Problem der Umweltverschmutzung und des Ressourcenmissbrauchs seit langen bekannt ist, geht das Verhalten der meisten Menschen doch gerade in die
entgegengesetzte Richtung: noch mehr Ressourcenverbrauch, noch mehr Müll.
Kaum jemand ist sich der Folgen seines Tuns bewusst.
Das ist sehr schade.
Man gewinnt häufig den Eindruck als ginge es im Leben lediglich ums Konsumieren:
neues Handy, neues Auto … noch neueres Handy, noch größeres Autos, Urlaub …
Viele scheinen ausser „arbeiten“ auch gar nichts mit sich anzufangen zu wissen, haben sich zu Maschinen entwickelt ohne Lebendigkeit, ohne Geist und Seele.

Wo bleibt da Zeit für das Wesentliche bei diesem ständigen Bombardement mit Vorgaben, was man tun muss, speziell durch die Werbung?
Das Wesentliche ist das ruhige Betrachten dessen, was ist, sich klarzuwerden darüber, wer man ist und was man eigentlich will, seinen eigenen Weg zu gehen.
Nur wenige sind wirklich schöpferisch, leben aus sich selbst.

Vom Ziehen und Drücken

Februar 25th, 2016

Nach Newton verursacht jede Kraft eine gleiche große Gegenkraft (actio=reactio).
Ziehe ich einen Quader über eine ebene Fläche, so wirkt der Zugkraft die Reibung des Quaders auf der Bodenfläche entgegen.
Kraft und Gegenkraft bedingen sich gegenseitig - das hält vielleicht die Welt im Gleichgewicht …?
Die Gegenkraft zum Zug (dem Ziehen) ist somit der Druck.
Druck hat nun mehrere Bedeutungen - einmal die Kraft des Drückens, dann aber auch die Tätigkeit des Druckens.
Zug hat ebenso mehrere Bedeutungen: die Kraft des Ziehens, das Schienenfahrzeug, oder das Ziehen im Sinne von Fortziehen oder Verreisen.
Es gibt zusammengesetzte Wörter, in denen der Begriff “Zug” auftaucht.
Verbinde ich die beiden Wörter “Zug” und “Druck” nun mit dem Wort “Vogel”, so erhalte ich die beiden “Wortbilder”:
(1) Zug+Vogel=Zugvogel und
(2) Druck+Vogel=Druckvogel

Jedes dieser beiden Wortbilder kann ich in mindestens zwei Formen bildlich darstellen:
Variante 1:
zdv1
Variante 2:
zdv2

Denkbar wäre für Variante 1 auch ein Vogel, der in einen Zug sitzt usw.
Was sich mir hier wieder zeigt ist die Bildkraft, die in vielen Worten steckt.
Diese Worte sind dadurch mehr als Worte - es sind “Bildworte”.

Wie gehts?

Januar 14th, 2016

“Wie gehts?” - Meist stellt man diese Frage zu Beginn einer Kommunikation. Wahrscheinlich deshalb, um nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, als Überleitung.
Wirklich für die Befindlichkeit des Gegenüber interessieren tut man sich in der Regel nicht. Die Antwort des Begrüßten ist meist „Gut.“.
Das heißt jedoch nicht, dass es ihm nun tatsächlich gut geht. Dieses „Gut“ kann sich ja auf alles mögliche beziehen: körperliche Gesundheit, die Geschäfte gehen gut, die Ehe geht gut, ein seelisches Wohlgefühl usw.
Kaum einer wird hier antworten „Schlecht“,denn das zieht möglicherweise bohrende Fragen nach sich – es sein denn, man will sich was von der Seele reden.
Es gibt aber auch Menschen, die die Frage „Wie gehts?“ aus tatsächlicher Neugier stellen, vielleicht gar, weil sie hoffen dem andere ginge es schlechter als ihnen selbst, was es ihnen selbst dann vielleicht wiederrum für den Moment des Triumphs „besser“ gehen lässt.
Man erkennt diese Intention der Frage am Tonfall, der Mimik, den Augen, dem meist vorgestreckten Kopf.
In unserem Kulturkreis begrüßt man sich körperlich meist mit der Hand.
Betrachten wir das ganze zunächst Mal aus Sicht der Wissenschaft:
Brauchwiki“ sagt zur Funktion des Grüßens
In der Regel wird der Ursprung des Grüßens wie auch einzelner Grußgebärden aus dem friedlosen Zustand früherer Epochen hergeleitet : Um sich unnötige Konflikte zu ersparen, haben sich Begegnende einander durch Grußgebärden ihrer friedlichen Absicht versichert.
Desmond Morris („Der Mensch mit dem wir leben“), der menschliche Verhaltensweisen wissenschaftlich untersucht hat, stellt fest:
Ein Grußzeremoniell zeigt, dass wir es mit jemandem gut meinen. Es übermittelt Signale der Freundschaft oder des Fehlens von Feindseligkeit.

Das „Wie geht es dir?“ bezeichnet Morris als „Pflegegeplauderals „belanglose Bemerkungen, die für sich kaum etwas besagen, mit denen wir aber stimmlich unsere Freude über die stattfindende Begegnung ausdrücken.
Unwillkommene Gäste begrüßen wir mit einem Händedruck und drücken bei ihrem Abschied unser Bedauern aus, obschon wir froh sind, dass sie endlich wieder verschwinden.“

Nun gibt es ja Menschen, die immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen haben und wild durch die Gegend grüßen oder einfach gerne grüßen.
Das brachte mich auf die Idee des Herrn „Tachwiegehts“, der genau das tut und nur dafür lebt.
herr_tachwiegehts

Begrüßungsrituale unterscheiden sich von Kultur zu Kultur. So kann das begrüßende Aufeinandertreffen von zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, zumindest beim ersten Kontakt für Unsicherheit und Irritation sorgen. Aber man lernt was dazu.
begrusungsritual

Letztlich kann man das Begrüßen auf eine etwas absurde Ebene heben und variieren, wie es in den folgenden Cartoons von mir gemacht wurde - das Thema heißt: “Guten Tag, der Herr!”
guten_tag_der_herr_001
guten_tag_der_herr_002
guten_tag_der_herr_003
guten_tag_der_herr_004
Das Grüßen funktioniert anscheinend auch im kosmischen Zusammenhang:
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten..
“,
sagt Goethe in seinen „Orphischen Urworten“.

Ich weiß nun leider nicht, ob die Sonne die Planeten in dem Zusammenhang auch gefragt hat „Wie gehts?“, ob sie es ehrlich gemeint hat und was ein Planet da wohl antworten würde …